Allerheiligen 1976

 

Heute denken wir im Rahmen der sieben hl. Zufluchten an die sechste hl. Zuflucht, an die Heiligen im Himmel und dann am morgigen Tag an die siebte hl. Zuflucht, an die armen Seelen im Fegfeuer.

Die sechste hl. Zuflucht: die Heiligen im Himmel!

Was sind die Heiligen Gott gegenŸber? Was sind sie uns Erdenpilgern gegenŸber?

Das wird uns sehr sinnvoll und schšn gesagt im bekannten Lied ãIhr Freunde Gottes allzu gleich, verherrlicht hoch im Himmelreich, erfleht am Throne allezeit uns Gnade und Barmherzigkeit. – Helft uns in diesem Erdental, dass wir durch Gottes Gnad und Wahl zum Himmel kommen allzumal!Ò

1.    Da wird uns zuerst gesagt, was die Heiligen Gott gegenŸber sind: sie sind die Freunde Gottes; sie haben sich zeitlebens auf Erden bemŸht, die Freundschaft mit Gott, den Gnadenstand hochzuhalten. ãLieber sterben als schwer sŸndigenÒ, so hat ein Heiliger, der hl. Aloisius in allen Schwierigkeiten und Versuchungen sich gesagt. Auch die Heiligen hatten zu kŠmpfen und zu ringen, aber sie blieben mit der Gnade Gottes Sieger und hielten Gott die Treue und Gott hielt umgekehrt ihnen die Treue. Und was Christus in seiner Abschiedsrede von den Aposteln gesagt hat, das gilt jetzt von allen Heiligen im Himmel: ãWie Mich der Vater  geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibet in meiner Liebe... Dies habe ich zu euch gesagt, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde... Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht wei§ nicht, was sein Herr tut; ich nenne euch Freunde, weil ich euch alles, was ich von meinem Vater gehšrt habe, kundgetan habe.Ò (Joh 15,9-15).

Was kann es Schšneres und BeglŸckenderes geben, als die ganze Ewigkeit hindurch die Freundschaft Gottes im Himmel zu genie§en, wo Christus diesen seinen Freunden alles kundtut, was Er selbst von seinem Vater gehšrt hat?!

 

2.    Es wird uns in dieser Liedstrophe auch gesagt, was die Heiligen uns gegenŸber sind: die gro§en FŸrsprecher am Throne Gottes, die uns allezeit von Gott Gnade und Barmherzigkeit erflehen, und die uns helfen, dass auch wir einmal aus diesem Erdental, das oft - ob man es wahrhaben will oder nicht - ja doch ein TrŠnental ist, zum Himmel kommen allzumal. Die Heiligen sind uns dorthin vorausgegangen. Und weil sie in der Freundschaft Gottes sind, darum vermšgen sie auch viel bei Gott durch ihre FŸrsprache fŸr uns, die wir noch so sehr der verzeihenden Barmherzigkeit Gottes und der Gnade Gottes bedŸrfen.

 

 

Nun werden in den weiteren Strophen des Liedes der Reihe nach die Heiligen in der IntensitŠt und StŠrke ihrer FŸrbitte fŸr uns am Throne Gottes aufgezŠhlt: da steht zuerst die Kšnigin aller Engel und  Heiligen Maria, dann all jene, die in der Heilsgeschichte und im Erdenleben Christus, dem einzigen Heilbringer und Erlšser am nŠchsten standen: die Patriarchen und Propheten und die Apostel:

ãVor allem du, o Kšnigin, Maria, milde Herrscherin, ihr Engelchšre voller Macht, die ihr habt treulich auf uns acht...

Ihr Patriarchen hochgeborn und ihr Propheten auserkorn, o ihr Apostel allesamt, erwŠhlt zu solchem hohen Amt: helft uns in diesem Erdental, dass wir durch Gottes Gnad und Wahl zum Himmel kommen allzumal.Ò

Nach den Patriarchen, unter denen der hl. Joseph herausragt, der Patron fŸr eine gute Sterbestunde, und nach den Propheten, die in der Heilsgeschichte immer wieder und immer deutlicher auf den kommenden Messias hinweisen durften, und nach den Aposteln, die der Herr ausdrŸcklich seine Freunde genannt hat, kommen dann als unsere FŸrsprecher die MŠrtyrer, die Bekenner, die gottgeweihten Jungfrauen und alle Frauen, die sich durch opferbereite Liebe und Ganzhingabe an Gott und sein Reich ausgezeichnet haben, sie alle mšchten uns nicht blo§ durch ihr strahlendes Vorbild im Bekennermut, in der Treue, in der Reinheit und selbstlosen Gottes- und NŠchstenliebe, sondern auch durch ihre mŠchtige FŸrbitte am Throne Gottes helfen, das letzte Ziel zu erreichen, damit auch wir uns einmal in der Gemeinschaft der Heiligen der beseligenden Anschauung Gottes auf ewig erfreuen dŸrfen:

ãO ihr gekršnten MŠrtyrer und der Bekenner gro§es Heer, o Schar der Jungfraun, Gott geweiht, ihr Frauen, zu treuem Dienst bereit: Helft uns in diesem Erdental, dass wir durch Gottes Gnad und Wahl zum Himmel kommen allzumal!Ò

Zuletzt rufen wir sie alle zusammen, die Seligen und Heiligen des Himmels, die Heiligen unserer Heimat, die Namenspatrone, die Heiligen aller Všlker und Nationen, die Heiligen aller BerufsstŠnde und Altersstufen, vom greisen Simeon angefangen bis zu den unschuldigen Kindern, an, sie mšchten doch beim dreifaltigen Gott fŸr uns alle, fŸr die ganze Christenheit in ihrer Šu§eren und inneren Not des KŠmpfens und Ringens FŸrsprache einlegen. Wir in unserer Armseligkeit und SŸndhaftigkeit verdienen es ja nicht, dass Gott unsere Gebete erhšrt und uns Barmherzigkeit und Gnade erweist. Aber wir dŸrfen auf die FŸrbitte der zahllosen Heiligen aus allen Všlkern und Nationen und aus allen Zeiten hoffen und vertrauen.

ãWir bitten euch, durch Christi Blut, fŸr uns bei Gott stets FŸrsprach tut; der heiligsten Dreifaltigkeit ragt vor die Not der Christenheit!Ò

 

Darf ich zuletzt zitieren, was ein Heiliger Ÿber die Heiligen und die Heiligenverehrung gesagt hat; es ist der hl. Kirchenlehrer Beda Venerabilis. Er schreibt einmal: ãUnser Leben hier auf Erden ist in Dunkelheit und Nacht gehŸllt. Damit die Nacht nicht ganz finster sei, hat Christus der Herr seiner Kirche immer wieder Heilige geschenkt, die Licht von seinem Lichte – den Himmel wie tausend Sternbilder erleuchten, damit unser Fu§ sich nicht an Steinen stš§t, sondern den Weg der Wahrheit, der Reinheit und der Tugend wandle, wie sie, die Heiligen, ihn gegangen sind.Ò

Es gibt in MŸnchen eine ãRuhmeshalleÒ um das Standbild der ãBavariaÒ, wo jene MŠnner durch die Aufstellung ihrer PortrŠtbŸste geehrt sind, die sich um ihr Vaterland und ihre Heimat besonders verdient gemacht haben. Auch die ãEcclesiaÒ, die Kirche hat ihre ãRuhmeshalleÒ, freilich nicht von Menschenhand erbaut, sondern von Gottes Meisterhand errichtet.

Es ist die unabsehbare Schar der Heiligen, die Gott selbst in sein himmlisches Reich versetzt und durch Wunder ohne Zahl verherrlicht hat.

Die Heiligen – die Freunde Gottes und unsere gro§en FŸrbitter am Throne Gottes, sie mšgen uns helfen, dass auch wir einmal in die gro§e Gemeinschaft der Heiligen eingereiht werden. Amen